#07

Das Geheimnis eines alten Zettels

Seit irgendeinem Tag wurden die Momente, in denen Muffin nicht mehr zu sehen war, immer häufiger.
Maple dachte, Muffins Neugier reiche eben jetzt auch an andere Orte. Es freute sie, und doch schlich sich ein leises, unerklärliches Gefühl von Verlassenheit in sie hinein.
Was dieses Gefühl wirklich bedeutete, das wusste sie noch nicht.

Stück für Stück fand der Laden wieder seine Ruhe.
Immer mehr kleine Zettel, die die Gäste zurückließen, sammelten sich an. Die Wand war voll geworden. Zum ersten Mal dachte Maple es ganz klar:
Es war an der Zeit, diesen Laden nicht mehr nur als den ihrer Eltern zu sehen, sondern wirklich zu ihrem eigenen zu machen.
Als ersten Schritt in ein eigenständiges Leben begann sie, die alten Zettel der Gäste aus der Zeit ihrer Eltern liebevoll zu ordnen.

Und dabei entdeckte sie zwischen den verblassten alten Zetteln etwas Seltsames.
Einen einzelnen Zettel, in krakeliger Schrift geschrieben, von dem der Name bereits verwischt war.

Die Hand, die ihn las, begann ganz langsam zu zittern.
Es war der allerletzte Brief, den die geliebte Puppe von Maples Mutter, die sie als Kind immer begleitet hatte, kurz vor ihrem Verschwinden hinterlassen hatte.
Auch die Mutter hatte einst eine Puppe wie Muffin gehabt. Mit ihrer Hilfe hatte sie das Restaurant Stück für Stück aufgebaut, doch in dem Augenblick, in dem der Laden florierte und sie ihr vollkommenes Glück gefunden hatte, war die Puppe nach der zweiten Regel des Vergessens still und leise verschwunden.

Ohne eine einzige Spur, ohne eine einzige Erinnerung.
Maple stand lange Zeit reglos da, den Zettel fest in der Hand.
Dass all das, was Muffin tat, um ihr zu helfen, am Ende ein Weg war, der Muffin selbst verschwinden lassen würde - genau das ahnte sie in diesem Moment zum ersten Mal.

Von hier an beginnt eine Geschichte, die wir gemeinsam schreiben.